Chronik

4. Die Gründung des Musikvereins Wolfegg 1929

Schon zwei Jahre nach Auflösung der Musikgesellschaft Wolfegg war es der Wunsch Vieler und nicht zuletzt des alten Dirigenten Josef Mittelberger von Wolfeggerberg, dass sich eine Kapelle neu zusammenfinden sollte. Dazu traten am 03. Januar 1929 die verbliebenen Mitglieder der Musikgesellschaft Wolfegg zusammen, um die Weichen für eine Vereinsgründung zu stellen. Die Gründungsversammlung fand dann am 04. August 1929 im Gasthof zur Brücke in Wassers statt, wo auch das Probelokal der Kapelle eingerichtet wurde. In dieser Versammlung wurde der fürstl. Rechtsrat Dr. jur. et rer. pol. Lorenz Kuchtner zum ersten Vorstand gewählt. Stellvertreter des Vorstands wurde Wagnermeister Anton Angele. Bis zur folgenden Versammlung am 08. September 1929 wurde eine neue, elfseitige Satzung ausgearbeitet, nach der der Verein nun künftig „Musikverein Wolfegg“ bezeichnet wurde und die Musikkapelle Bestandteil des Vereins war. Bei der konstituierenden Versammlung waren 42 Mitglieder anwesend, welche die übrigen Vorstandsmitglieder, als Schriftführer Aktuar Franz Neff, Kassier Friedrich Martin sowie die Ausschussmitglieder Josef Hartmann, Alois Unold und Johann Stauber wählten. Künftig konnte der Verein auch „passive“ Mitglieder aufnehmen.
Als Dirigent wurde Oberpostsekretär Paul Bayer aus Weingarten engagiert. Von der Gemeinde und der Standesherrschaft Wolfegg erhielt der Verein einmalige Zuschüsse für die Anschaffung von Instrumenten. Auch eine Sammlung, die 1300 Reichsmark einbrachte half, die finanzielle Lücke zu schließen.

Beim Wertungsspiel in Ellwangen 1929 und Urkunde zum Wertungsspiel 1929

Am 23. Juli 1929 beteiligte sich die Musikkapelle Wolfegg mit ihrem neuen Dirigenten Paul Bayer am Wertungsspiel in Ellwangen. Aus dem „Waldseer Tagblatt“ erfahren wir die begeisterten Worte: „Gestern abend etwa um ½ 8 Uhr kam die Nachricht, dass unsere Kapelle einen 1a Preis für ihre Leistung erhalten habe. Kanonendonner verkündete dieses freudige Ereignis der ganzen Teilgemeinde. Sofort scharte sich der hiesige Veteranenverein um seine Fahne, um die preisgekrönte Kapelle am Ortseingang würdig zu empfangen...
Unter den Klängen eines schneidigen Marsches, unter nochmaligem Kanonendonner und unter nicht endenwollenden Hurrarufen zog der stattliche Zug durch den Ort Wolfegg ins Gasthaus zur Brücke in Wassers, wo selbst noch eine Freudenfeier zu Ehren unserer Musikanten stattfand“
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Eine Faschingsveranstaltung wurde vom Musikverein Wolfegg am 03. März 1930 im Gasthaus zur Brücke „mit Konzert, Theater und Tanz“ organisiert.

Die Musikkapelle in der "ersten" Uniform 1939

Im selben Jahr wurde die Beschaffung von Uniformen für die Musiker beschlossen, welche durch die Aufnahme zinsloser Darlehen ermöglicht wurde. Sie wurde von der Firma Kraft in Weingarten bezogen.

Am 13. August 1930 wurde der neugegründete Verein endlich beim Amtsgericht Waldsee in das Vereinsregister, Bd. I, Blatt 60 eingetragen. Seither wird der Verein unter dem Namen „Musikverein Wolfegg e.V.“ geführt.

Nach einem Zeitungsartikel hatte sich die Kapelle am 11. August 1932 am 50jährigen Vereinsjubiläum mit Fahnenweihe bei der Patenkapelle Rötenbach beteiligt: „Hierauf brachte H. Angele von Wolfegg den Glückwunsch des Patenvereins zum Ausdruck mit dem Bedauern, dass es dem 1. Vorsitzenden, fürstl. Rechtsrat Dr. Kuchtner, wegen dienstlichen Gründen leider nicht möglich war, am Fest teilzunehmen. Unter Ueberreichung eines Fahnenbandes wünschte er, dass die neue Fahne stets Zeugin erfolgreichen Schaffens und friedlichen Strebens im Verein und freundnachbarlicher Beziehung zum Patenverein sein möge“.

Am 16. Oktober 1932 veranstaltete die Musikkapelle ein Herbstkonzert im Gasthaus Brücke in Wassers. Neben der Ouvertüre Milanese von Baumann spielte die Kapelle auch ein Intermezzo aus Hoffmanns Erzählungen von Offenbach. Kurze Zeit später fand am 11. Dezember 1932 im Gasthaus zur Post in Wolfegg zu Gunsten der Winternothilfe ein Wohltätigkeitskonzert mit ebenfalls anspruchsvollem Programm statt.

Der spätere Schriftführer Josef Schmitt berichtet in seiner Chronik von 1949 über die politisch und vereinstätig turbulenten Jahre 1929 bis 1939 in kurzer prägnanter Form:
„Während des Bestehens des Musikvereins wurden 6 Mitgliederversammlungen, darunter eine außerordentliche, abgehalten. Vorstandssitzungen haben insgesamt 31 stattgefunden, die letzte davon am 1.November 1939. Die Beschlüsse der Versammlungen und Sitzungen können in dem 105 Seiten umfassenden Vereinsprotokoll nachgesehen werden. Der Vorstand hat sich während der Zeit des Bestehens einige Mal verändert. ... Infolge Zwistigkeiten in der Kapelle ist im April 1937 der Dirigent, OPS. Bayer aus Weingarten ausgeschieden. An seine Stelle trat Franz Mittelberger aus Pfarr, ein Sohn des alten Wolfegger Musikers und Dirigenten Josef Mittelberger. ... Durch Schreiben im Januar 1939 erklärte auch der Vorsitzende, Dr. Kuchtner, seinen Austritt, weil er durch Übertritt zur Wehrmacht von Wolfegg weggezogen sei. Die Geschäfte wurden vom stv. Vorsitzenden (Josef Unold) ... weitergeführt. Am 1. September 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus, so dass von diesem Zeitpunkt ab die Vereinstätigkeit nur erschwert ausgeführt werden konnte. Mancher Musiker musste seine Uniform im Laufe der Kriegsjahre mit der des Heeres tauschen. Gefallen sind während des Krieges 3 Musiker und 3 Vereinsmitglieder. ... Nur kurz soll noch die Mitgliederzahl zu verschiedenen Zeitabständen angegeben sein. Sie betrug: am 30.11.1930 22 Musiker, 150 Mitglieder; am 31.1.1932 23 Musiker, 156 Mitglieder; am 28.11.1935 23 Musiker, 122 Mitglieder. Diesen Stand mag der Verein, soweit nicht vom Kriege beeinflusst, bis zu Ende beibehalten haben“.

Fasnet in Wolfegg 1938

Das alte Protokollbuch des Musikvereins Wolfegg endet am 01. November 1939 mit der Teilnahme an der Beisetzung von Ehrenmitglied Josef Mittelberger von Wolfeggerberg, der 34 Jahre als Dirigent der Kapelle vorstand.

Über weitere Vereinsaktivitäten erfahren wir nur kurz aus einem späteren Chroniknachtrag von Schriftführer Schmitt: „Als sich dann im Jahre 1939 der zweite Weltkrieg entfesselte, konnte der Musikverein sich mühevoll über die Kriegszeit hindurchringen, ist aber dann, wie so vieles, ein Opfer des unglückseligen Kriegsausganges geworden und hat am 28.4.1945 durch den Einmarsch französischer Truppen ein jähes Ende gefunden. Wolfegg war wieder ohne Musikverein“.



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