Chronik

5. Neugründung des Musikverein Wolfegg nach dem Zweiten Weltkrieg 1947

Durch Verordnung des Commandant en Chef Français en Allemagne vom 12. Dezember 1945 und mit Verfügung des Administrateur Général vom gleichen Tage wurde das Vereinsrecht im französisch besetzten Gebiet wieder hergestellt. „Die Last des verlorenen Krieges, die Unannehmlichkeiten durch die Besatzung, die Rechtlosigkeit der zivilen Bevölkerung und noch manch anderes drückte schwer auf das Gemüt der geplagten Bewohner und ließen nicht mehr viel an Freude und Frohsinn aufkommen“, so Schriftführer Josef Schmitt in seiner Chronik. So war es nicht verwunderlich, dass erst zwei Jahren nach Ende des Krieges der Versuch einer Neugründung unternommen wurde. Das Inventar des Musikvereins hatte sich zwar erhalten, doch für eine Neugründung bedurfte es der Genehmigung der französischen Militärregierung. Außerdem durfte weder Antragssteller noch Vorstandsmitglieder Parteiangehörige der NSDAP gewesen sein.

Im Frühjahr 1947 trafen sich die drei alten Musikkameraden Josef Hartmann, Friedrich Martin und Franz Mittelberger, um einen Antrag auf Neugründung eines Musikvereins zu stellen. Die französische Militärregierung entsprach dem Antrag positiv. Am 17. August 1947 fand die Gründungsversammlung des Musikvereins Wolfegg e.V. im Gasthaus zur Brücke in Wassers statt. Bäckermeister Franz Fischer wurde zum 1. Vorsitzenden, Anton Angele zum Stellvertreter, Josef Schmitt zum Schriftführer gewählt. Als Dirigent fungierte wieder Franz Mittelberger. Schon nach kürzester Zeit zählte der Verein 18 Musiker und 119 Mitglieder. Der Vereinsbeitrag wurde wie früher auf 3 Reichsmark festgelegt.

Die Musikkapelle 1948

Für 1948 wurden von Schriftführer Josef Schmitt bereits 26 Veranstaltungen dokumentiert, wobei die Kapelle auch bei kirchlichen Anlässen wieder aufspielen durfte. Dem Selbstverständnis der damaligen Zeit entsprechend, stand für den frisch gewählten Vorstand die Anschaffung einer Fahne im Vordergrund. „Ein Verein ohne Fahne ist überhaupt kein Verein“, so der 1. Vorsitzende in einer Vorstandssitzung 1948. Drei örtliche Ausschüsse wurden gebildet, die durch Sammlung die notwendigen 600 DM aufbringen sollten. Die Musikkapelle spielte zur Finanzierung auch kleine Ständchen in den Ortschaften. Die Firma Osiander in Ravensburg wurde mit der Anfertigung einer neuen Fahne unter Verwendung von Elementen der alten Wolfegger Kyffhäuserfahne beauftragt. Josef Kling von Wolfeggerberg wurde zum Fähnerich, Blasius Gläser von Wassers und Georg Amann von Neckenfurt zu Fahnenbegleitern bestellt.

Fahnenweihe 1949

Am Sonntag, dem 22. Mai 1949, war der große Tag der Fahnenweihe. Bei strömendem Regen trugen acht Festjungfern die verhüllte Fahne, begleitet von Festreitern, der Patenkapelle Rötenbach und der Musikkapelle Wolfegg sowie festlich geschmückten Landauern zur Kirche. Die Weihe der Fahne erfolgte durch den Wolfegger Pfarrer Iländer. Wegen der schlechten Witterung hatten mehrere umliegende Kapellen die Teilnahme am Festumzug am Nachmittag kurzfristig abgesagt. So wurden nach kurzem Umzug die Feierlichkeiten im Gasthaus Post fortgesetzt. Dort wurden auch Ehrungen verdienter Mitglieder vorgenommen. Der Schriftführer bemerkt zum Schluss seiner Ausführung: „Der Musikverein Wolfegg hat nun die seit langem so heiß-ersehnte Fahne. Sie möge dem Verein ein ständiges Wahr- und Mahnzeichen treuer kameradschaftlicher Gesinnung bleiben... Es mögen ihr viele edeldenkende Männer folgen, die stets mit Stolz auf sie schauen“.

Ansichten der Fahne von 1949. Das Wappentier wurde in die neue Fahne übernommen.

Zum ersten Mal wurde die neue Fahne am Blutfreitag, den 27. Mai 1949, in Weingarten von Fähnerich Josef Kling getragen.
Bei der Mitgliederversammlung am 13. November 1949 wurde der spätere Bürgermeister Alfons Rummel zum 1. Vorsitzenden gewählt. Wegen schlechtem Probenbesuch legte Dirigent Franz Mittelberger in der Sitzung am 28.09.1950 sein Amt nieder. Sein Nachfolger wurde Musiklehrer und Militärmusiker Wilhelm Prüß aus Ravensburg.

Am 27. September 1950 nahm die Musikkapelle Wolfegg große Anteilnahme am Tod ihres ältesten Ehrenmitglieds S.D. Fürst Maximilian von Waldburg zu Wolfegg und Waldsee. Er war ein großer Förderer und Gönner der Wolfegger Musikkapelle gewesen.

Vorstand Alfons Rummel war besonders darum bemüht, das musikalische Niveau der Kapelle durch Dirigent Prüß zu steigern. Leider gelang dies der Kapelle nicht, außerdem fielen hohe Dirigentenlohnkosten an. So entschloss man sich 1953 den 65jährigen Anton Angele, Altmusiker und bisheriger zweiter Vorstand, zum Dirigenten zu wählen. Am 16. Mai 1954 übernahm der Musikverein Wolfegg bei der Fahnenweihe in Alttann die Patenschaft. Ebenso wurde in diesem Jahr das Theaterstück „Die Bettelprinzessin“ am Stefanstag aufgeführt. Die Teilnahme am ersten großen Nachkriegs- Musikfest in Bergatreute 1955 wurde nicht als verpflichtend angesehen, „weil Bergatreute bei der Fahnenweihe in Wolfegg seinerzeit auch nicht erschienen ist“.

In der Vorstandssitzung am 17. April 1956 im Gasthaus Linde in Wassers, legte Dirigent Anton Angele seine Tätigkeit nieder. Sein Nachfolger als Dirigent wurde Alfons Zeug aus Wolfegg. Im selben Jahr wurde die Anschaffung neuer Uniformen beschlossen. Durch Haussammlungen und Spenden konnte das nötige Geld hierfür zusammengebracht werden. Zur Primiz von Pater Karl Graf aus Grund am 07. Juli 1956 konnte sich die Kapelle erstmals in ihren neuen Uniformen präsentieren.

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