Chronik

6. Die Musikkapelle Wolfegg im Spiegel des Wirtschaftswunders

Die Musikkapelle 1964

Bürgermeister Alfons Rummel war bis zur Mitglieder-versammlung am 31. Januar 1965 erster Vorsitzender. In seiner Ära wurde die jährliche Altmaterialsammlung eingeführt, um so die Vereinsfinanzen erheblich zu verbessern.
Zum neuen Vorstand wurde 1965 Ludwig Fricker gewählt. Sein Stellvertreter wurde Wolfgang Adler. Das Amt des Schriftführers übernahm Eduard Wegmann, Kassier wurde Georg Amann.

Im August 1965 wurde erstmals ein Gartenfest „in einem schön gelegenen Obstgarten in Pfarr bei Wolfegg“ durchgeführt. Bei „großer Hitze“ schrieb die Schwäbische Zeitung „fuhren die Bauern an diesem Tag zunächst manche Wagen gutes Öhmd nach Hause, und das Bad im Stockweiher war überfüllt mit Badegästen“. So wurde es am Abend erst richtig gesellig als sich „viele von der farbenfroh beleuchteten Festwiese und der schmissigen Stimmungsmusik der Musikkapelle Wolfegg anlocken ließen“.

Am 08. Juli 1967 unternahm die Musikkapelle Wolfegg unter Dirigent Alfons Zeug einen Ausflug zum Oberjoch und in den Bregenzer Wald. Dabei bemerkte der Chronist beim Erklimmen des Oberjochs: „Einige jüngere Musikanten ließen es sich nicht nehmen und bliesen mehrere Trompetensolos ins Tal hinab, die sich sehr schön anhörten“.

Alfons Zeug, der bis zu seinem Tode im Jahr 1970 als Dirigent der Musikkapelle tätig war, machte sich besonders um die Ausbildung junger Musiker verdient. Die Musikkapelle Wolfegg nahm unter seiner Leitung am 13.07.1968 am Wertungsspiel beim Kreismusikfest in Haidgau in der Unterstufe teil. Mit einem I. Rang mit Auszeichnung kehrten die Musikanten nach Wolfegg zurück.

1968 wurde „von dem zuverlässigen Fähnerich Josef Kling“ vorgebracht „dass sich die Vereinsfahne des Musikvereins gerade nicht mehr im besten Zustand befinde“. Eine neue Vereinsfahne wurde unter Verwendung des Gemeindewappens der alten Fahne von der Firma Ostermeier in Aulendorf für 1.200 DM angefertigt. An der Erstkommunion desselben Jahres rückte die Musikkapelle „zur vollsten Zufriedenheit aller Mitglieder“ erstmals mit der neuen Fahne aus. Diese ist bis heute in Gebrauch.

Ansichten der Fahne von 1968

„Ehrung! Am 4. Januar 1969 beging das Ehrenmitglied, Herr Bürgermeister i.R. Katein, seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Grunde ehrte ihn die Musikkapelle mit einem Ständchen“.

Ein Musikball fand 1969 im Gasthaus „Post“ in Wolfegg statt. Die aktiven Musikanten zeigten sich erstmals „in ihren neu angefertigten Faschingstrachten“.

Die Musikkapelle beim Fasnetsumzug in Kißlegg

Auch die Jugendkapelle wurde an diesem Abend „durch viel Beifall seitens der Tanzlustigen belohnt“.

1970 übernahm Elmar Blank, bisher Vizedirigent, die Dirigententätigkeit in der Musikkapelle Wolfegg. Er führte die Arbeit seines Vorgängers fort.

Am 1. und 2. Mai 1970 führte die Musikkapelle Wolfegg unter Reiseleitung von Dirigent Elmar Blank einen Ausflug nach Locarno durch. Die Presse schrieb in ihrer Überschrift kurz und bündig: „Konzert in Locarno in Hemdsärmeln – Zweitägiger Jahresausflug der Musikkapelle Wolfegg nach dem sonnigen Süden“.

1972 wurden zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte neue Uniformen angeschafft. Erstmals wurde für Musikantinnen, die bis dahin eher selten in den regionalen Musikkapellen anzutreffen waren, ein dem damaligen Zeitgefühl entsprechender „Minirock“ als Bekleidung und ein „Schiffchen“ als Kopfbedeckung angeschafft.

Am 15. und 16. Juli 1972 trat die Musikkapelle anlässlich der Primiz von Pater Karl Heinz Lobendanz zum ersten Mal in der neuen Uniform an die Öffentlichkeit. Die Musikkapelle nahm außerdem am Wertungsspiel des Kreismusikfestes in Rötenbach teil und konnte einen I. Rang erlangen. Im selben Jahr wurden 84 Proben und 64 Auftritte notiert.

Die Musikkapelle 1977

Die Vorstände Ludwig Fricker und Wolfgang Adler organisierten in den 1970er Jahren große Gemeindefeste für die Musikkapelle: Das Gartenfest in Pfarr, der Musikball oder das herbstliche Weinfest in der neu erbauten Gemeindehalle. Dirigent Elmar Blank gestaltete Wunschkonzerte im Postsaal sowie gemeinsame Weihnachtskonzerte mit dem Liederkranz Alttann.

1974 bot Dirigent Elmar Blank mit 27 aktiven Musikern ein gekonntes Weihnachtskonzert dar. Auch die Jugendkapelle unter der Leitung von Adolf Käser und Josef Brillisauer konnte mit stolzen 23 Jungmusikern ihr Bestes geben.

1976 führte der Jahresausflug der Musikkapelle zusammen mit den Jungmusikanten in den schön gelegenen Luftkurort Arosa / Schweiz. Ebenso wurde in demselben Jahr ein Kameradschaftsabend der aktiven Musiker und Jungmusiker im Postsaal veranstaltet: „Auch der aktive Musiker Josef Halder von Annaburg wusste den Kameradschaftsabend zu verschönern. Er führte Lichtbilder (Dias) vor. Es waren in der Hauptsache Aufnahmen von den Musikkameraden bei gemütlichem, kameradschaftlichem Zusammensein. Er erntete reichlichen Beifall“. Diese Tätigkeit übt der aktive Hornist Josef Halder sen. bis heute zur Freude aller Musiker aus.

1977 stellte sich Vorstand Ludwig Fricker nicht mehr zur Wiederwahl. Sein Nachfolger im Amt wurde Otto Häusele.

1979 wurde vom neugewählten Vorstand Gustav Mayer und 2. Vorstand Stefan Huber das 50 jährige Vereinsjubiläum organisiert. Die Jubiläumsfeier mit Ehrung von Gründungsmitgliedern fand in der Gemeindehalle Wolfegg statt. Die Patenkapelle Rötenbach sowie die Musikkapelle Wolfegg gestalteten den Abend.

Freundschaftskonzerte wurden in den Jahren 1980 und 1981 zwischen den Musikkapellen Oggelsbeuren und Wolfegg abgehalten. Dirigent Elmar Blank begeisterte die Zuhörer etwa mit der „Robin Hood – Ouvertüre“ und mit „Händels festlichen Tänzen“.

Ein besonderer Höhepunkt in der Geschichte der Musikkapelle war die 100-Jahr-Feier der Kapelle, welche vom 17. bis 19. Juli 1981 abgehalten wurde. Aus diesem Anlass veranstaltete die Musikkapelle Wolfegg ein großes Musikfest mit Festzug der Gastkapellen und vielen Festwagen. Unter der Schirmherrschaft von S.E. Erbgraf Johannes von Waldburg zu Wolfegg und Waldburg spielten zum Festakt im Festzelt die Patenkapelle Rötenbach und die Jubelkapelle Wolfegg auf. Der damalige Bezirksvorsitzende Josef Mütz ehrte Verdiente Mitglieder. Für 50jähriges aktives Musizieren wurde Hornist Wilhelm Jäger mit dem Bundesehrenbrief ausgezeichnet. Nach einem Stimmungsabend mit der Trachtenkapelle Simmerberg war am Sonntag nach dem Festgottesdienst der eigentliche Höhepunkt mit dem Gesamtchor und Festumzug erreicht. Während des Festumzuges hatte sich das regnerische Wetter für kurze Dauer gewandelt, sodass der Umzug trocken durchgeführt werden konnte. Die Schwäbische Zeitung berichtete über dieses Fest: „Zu einer eindrucksvollen Demonstration der Volksmusik in Oberschwaben wurde am Wochenende das Jubiläumsfest zum hundertjährigen Bestehen der Musikkapelle Wolfegg. Am Umzug, der am Sonntagnachmittag wie durch ein Wunder trockenen Fußes über die Runden kam, beteiligten sich 17 Kapellen. Zwölf Festwagen, mit viel Liebe und Phantasie gestaltet, gaben dem Zug das optische Gepräge....“. Die Vorstände Gustav Mayer und Stefan Huber haben dieses musikalische Großereignis vorbildlich organisiert.

Anlässlich des Musikfestes legte Elmar Blank sein Amt als Dirigent nieder. Nachfolger wurde Hermann Hagmüller aus Ziegelbach. Dieser bestritt bereits am 28. November 1981 ein Doppelkonzert mit der Musikkapelle Molpertshaus. Die Musikkapelle Wolfegg spielte u.a. das Solostück „Die lustigen Trompeter“ mit den Solisten Klaus Hohl und Erwin Bertsch sowie das Solostück „Die beiden Schluckspechte“ mit den Solisten Erhard Hepp und Hans-Peter Häusele.

Die Musikkapelle 1981

Am 15. Januar 1982 stellte sich Vorstand Gustav Mayer nicht mehr zur Wiederwahl. Sein Nachfolger im Amt wurde Dr. Winfried Duffner. Im Juni 1982 gestaltete die Musikkapelle Wolfegg als Patenkapelle das hundertjährige Jubiläum der Musikkapelle Rötenbach. Die Wolfegger Flügelhornisten Andrea Hartmann, Udo Leuter und Hubert Romer nahmen mit dem Vortragstück „Kleine Serenade“ bei den Jugendkritikspielen in Rötenbach und Isny mit großem Erfolg teil.

Im gleichen Jahr wurde die Anschaffung einer typisch oberschwäbischen Tracht mit großem finanziellem Aufwand für die Musikkapelle Wolfegg getätigt. Es handelt sich hierbei um die in unserer Gegend etwa um 1830 typische Landtracht. Bei der Gestaltung der Tracht war der Trachtenberater Jürgen Hohl aus Eggmansried maßgeblich beteiligt.

Im August 1982 verstarb Fähnerich Josef Kling, welcher von 1949 an die Fahne getragen hatte. Sein Nachfolger wurde Bernhard Fleischer aus Wolfeggerberg.

Durch die Beziehung von Vorstand Winfried Duffner zum Holzhändler Giovanni Pozzi aus dem oberitalienischen Colico entstand die Idee, ein gemeinsames Konzert aufzuführen. Am 26. November 1983 fand das erste Gemeinschaftskonzert des „Coro Alpino di Colico“ mit der Musikkapelle Wolfegg in der Gemeindehalle statt. Aus dieser Begegnung entstand die bis heute lebhafte Gemeindepartnerschaft mit Colico. Im Rahmen dieses Gemeinschaftskonzertes übergab Dirigent Hermann Hagmüller den Taktstock an Klaus Hohl.

Musikkapellen Colico und Wolfegg 1986

Im Juli 1984 trat die Musikkapelle Wolfegg zu einem Gegenbesuch in Colico an. Unter freiem Himmel wurde am Comer See ein eindrucksvolles Platzkonzert zusammen mit der Banda di Villatico-Colico veranstaltet.

Der Ausbau des Probelokales im Untergeschoß der alten Schule wurde 1985 realisiert. Das Vagabundendasein im heutigen Kameradschaftsheim der Feuerwehr und später in den Schulsälen war damit beendet.

Fasnet 1986

Am 22. Juni 1985 nahm die Musikkapelle Wolfegg unter Dirigent Klaus Hohl am Wertungsspiel in Bavendorf mit 24 Musikern, darunter 6 Jugendlichen teil. Die Kapelle erhielt zur Freude aller Musiker einen I. Rang mit Auszeichnung.

Neben den Jahreskonzerten gestaltete Dirigent Klaus Hohl auch Freundschaftskonzerte, 1985 mit Vogt und 1987 mit Bergatreute. Die Freundschaft mit Colico wurde 1986 feierlich in einer Partnerschaftsurkunde besiegelt. Die Musikkapelle spielte aus diesem Anlass in der Alten Pfarr. Seither findet ein reger Austausch zwischen dem Musikverein Wolfegg und der Banda di Villatico-Colico statt.

Die Musikkapelle Wolfegg wurde am 29. Mai 1987 vom Weingartener Stadtpfarrer Pater Basilius Nagel und dem Weingartener Oberbürgermeister Rolf Gerich für 75jährige Teilnahme am Blutfreitag in Weingarten geehrt: „Zur Verherrlichung Gottes in dankbarer Liebe für sein vergossenes Blut hat die Musikkapelle Wolfegg 75 Jahre hindurch die Reiterprozession am Blutfreitag in Weingarten begleitet. Als Dank und Anerkennung wird diese Urkunde und ein ehrendes Fahnenband verliehen.“

Das Jahr 1988 wurde geprägt durch die Teilnahme am Wertungsspiel in Waldburg und der Mitwirkung bei der Volksmusikhitparade anlässlich des Wolfegger Feuerwehrfestes. Der Auftritt der Musikkapelle Wolfegg wurde dabei im Südwestfunk live übertragen. Im Oktober 1988 wurde ein Ausflug der Musikkapelle nach München organisiert.

1989 dirigierte Klaus Hohl sein letztes Jahreskonzert. Übergangsweise übernahm Hubert Erath das Amt des Dirigenten.

Bei der Generalversammlung im Frühjahr 1990 stellte Dr. Winfried Duffner sein Amt als erster Vorstand zur Verfügung. Die Versammlung wählte Wolfgang Kynaß aus Wolfegg zum neuen Vorsitzenden.

Am 01.Dezember 1990 fand ein Doppelkonzert mit dem neuen Dirigenten Erhard Hepp aus Wassers zusammen mit der Musikkapelle Rötenbach statt. Die Jugendkapelle musizierte bei den Jahreskonzerten gemeinsam mit der Musikkapelle Wolfegg.

Ab 1990 wurden vom Musikverein Veranstaltungen wie die „Leise Flugschau“ auf der Tafelwiese, das traditionelle Gartenfest mit Flohmarkt sowie Fasnetsbälle organisiert.

Alfred Buchhorn aus Wassers übernahm 1994 für ein Jahr das Amt des Dirigenten von Erhard Hepp. 1995 nahm die Musikkapelle Wolfegg wieder unter der Leitung des Dirigenten Erhard Hepp am Wertungsspiel in Ziegelbach teil. In der Mittelstufe wurde die Kapelle mit der Note „Gut“ ausgezeichnet.

Ab 1995 bis heute wurden die Ausflüge der Musikkapelle Wolfegg oft in die Partnergemeinde Colico unternommen, um dort Konzerte zu veranstalten. Weitere Ausflüge führten nach Gurtweil (Schwarzwald) und Latsch (Südtirol).

1997 nahm die Musikkapelle am Wertungsspiel in Bad Wurzach mit der Note „Gut“ teil. Außerdem gab es einen Wechsel in der Vorstandschaft: Detlef Manz aus Grund löste Wolfgang Kynaß als ersten Vorsitzenden des Musikvereins ab. Die Wolfegger Serenade wurde 1999 aus der Verantwortung der Gemeinde an Wolfegger Vereine übertragen. Der Förderverein Wolfegger Serenade wurde mit Musikverein, Sportverein und Fanfarenzug gegründet.